Das Buch Gute Freunde handelt nicht nur von guten Freunden beim FC Bayern, sondern ist selbst ein guter Freund: nämlich für alle Fußballfans im Speziellen und für alle Liebhaber spannender und erfolgreicher Unternehmsgeschichten im Allgemeine.

Thomas Hüetlin ist ein Goldgräber. In seinem Buch "Gute Freunde. Die wahre Geschichte des FC Bayern München" (München 2006) gelingt dem Spiegel-Korrespondenten beinahe die Quadratur des Balles. Trotz des enormen Öffentlichkeitsinteresses, das seit Jahrzehnten am Rekordmeister besteht und das eine enorme Fülle und Dichte an Informationen aus dem Innenleben des Klubs lieferte, fördert er viel Unbekanntes zu Tage: Humoresken und Harlekinaden, Bestaunens- und Liebenswertes sowie faktisch Wertvolles. So war zwar bekannt, dass der FC Bayern zum Antrittszeitpunkt von Uli Hoeneß als Manager (1979) verschuldet war. Indes, die Höhe der Verbindlichkeiten von 5 Millionen D-Mark war bestgehütetes Betriebsgeheimnis. "Gute Freunde", der gleichlautende Beginn aus Franz Beckenbauers Kultlied, besticht mit Detailversessenheit. Gerade mit diesem Vorgehen verschafft Hüetli dem Leser eine unerhörte Nähe zu Geschichten und Geschichte. Man wähnt sich mitunter inmitten der Turbulenzen, scheint sonst unberührbare Stars zum Kumpel zu haben. Bereitwillig und fasziniert lässt man sich mitnehmen auf dem Gang durch die Geschichte des Branchenprimus.

Ein historisches Werk über den FC Bayern verlangt jedoch auch, den Klub international als nur begrenzt wettbewerbsfest einzuordnen. Ein Vierteljahrhundert mühte sich der Rekordmeister vergeblich ab, um 2001 endlich einmal wieder zu triumphieren. War es typisch schwäbischer Kaufmannsgeiz des gebürtigen Ulmers Uli Hoeneß, der die Bayern auch danach wieder in eine Krise auf internationaler Bühne abrutschen ließ? In der vergangenen Dekade zeigten sogar eingefleischte Fans ihren Lieblingen die kalte Schulter: Die vorzeitige Massenflucht aus dem Stadion gehörte häufig zu den Heimspielen. Ursache waren mangelnde Leidenschaft und Inspiration der provozierend administrativ agierenden Mannschaft. Kernelemente des Fußballs wie Tempo und Hingabe, Kreativität und Raffinesse oder gar Visionäres schienen den Stars Fremdwörter zu sein. Öffentlich geschützt durch Uli Hoeneß, erhielten sie sogar noch Flankenschutz für ihren drögen Verwaltungsfußball. Damit war international nichts zu bestellen.

Den Teil der Wahrheit, dass der FC Bayern im Lande zwar der gefräßigste Trophäenhamster, europaweit jedoch ein harmloser Beutejäger ist, arbeitet Hüetli leider nicht heraus. Mit der gerade begonnenen risikofreudigeren Einkaufspolitik der Münchner, wird sich in näherer Zukunft hierzu eventuell Stoff für ein weiteres Werk ergeben, dass dann auch diese Seite der Vereinshistorie näher beleuchtet.